Zusätzliche Lehrveranstaltungen im SoSe 26 | Stand: 25.02.2026
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(english version below)
Inwieweit wurde die Mathematik im Kalten Krieg in den USA durch institutionelle und disziplinäre Entwicklungen geprägt? Meine Dissertation untersucht, wie politische Prioritäten, Finanzierungsstrukturen und ideologischer Druck die mathematische Gemeinschaft als institutionelle Einheit neu formten.
Anhand quantitativer Daten aus der NSF-Umfrage zu erworbenen Doktorgraden, den Notices of the AMS und dem Mathematics Genealogy Project rekonstruiert die Studie quantitativ die Expansion und Differenzierung der Mathematik zwischen 1945 und 1991. Durch die Erfassung von mehr als 31.000 verliehenen Doktorgraden und die Klassifizierung ihrer Abschlussfächer anhand der Mathematics Subject Classification zeigt sie, wie sich Teilgebiete unter sich wandelnden institutionellen Bedingungen herausbildeten, zurückgingen oder neu ausrichteten.
Das Projekt interpretiert die Nachkriegsgeschichte der Mathematik als ein Muster der Transformation:
zwischen militärischen und zivilen Prioritäten, zwischen expandierenden und sich aufspaltenden Fachgebieten sowie zwischen den Idealen der akademischen Autonomie und den Realitäten der staatlichen Förderung. Durch die Anwendung von Konzepten aus dem historischen Institutionalismus lässt sich erkennen, wie kritische Wendepunkte wie der Zweite Weltkrieg oder der Sputnik-Schock neue Ebenen der Praxis und Bedeutung innerhalb der Disziplin hervorbrachten und dauerhafte Veränderungen in der Struktur der mathematischen Forschung und Ausbildung bewirkten.
Durch die Quantifizierung dieser institutionellen und intellektuellen Veränderungen bietet das Projekt eine der ersten datengestützten Rekonstruktionen der internen Entwicklung der mathematischen Gemeinschaft.
To what extent was mathematics in the Cold War US molded by institutional and disciplinary evolution? My dissertation project aims to examine how political priorities, funding structures, and ideological pressures reshaped the Mathematical Community as an institutional entity.
Drawing on quantitative data from the NSF’s Survey of Earned Doctorates, the Notices of the AMS, and the Mathematics Genealogy Project, the study reconstructs quantitatively the expansion and differentiation of mathematics between 1945 and 1991. By tracing more than 31,000 conferred PhDs and classifying their field of graduation through the Mathematics Subject Classification, it reveals how subdisciplines emerged, declined, or reoriented under changing institutional conditions.
The project interprets the postwar history of mathematics as a pattern of transformation:
between military and civilian priorities and between expanding and splitting fields, and between the ideals of academic autonomy and the realities of federal patronage. Applying concepts from Historical Institutionalism serves to identify how critical junctures such as World War II or the Sputnik shock produced new layers of practice and meaning within the discipline, marking durable transformations in the structure of mathematical research and education.
By quantifying these institutional and intellectual shifts, the project offers one of the first datadriven reconstructions of the Mathematical Community’s internal evolution.